Vom Vorstand der Sparkasse die (Finanz)Welt erklärt

In zwei interessanten Nachmittagsveranstaltungen mit Herrn Stefan Eich, Vorstand der Sparkasse Goch, und Herrn Christian Beck, Vertriebsleiter der Sparkasse Goch, wurden den Schülern der Junior Business School Gaesdonck die Themen Unternehmensplanung, Kreditvergabe und die Situation in Europa aufgrund der
Schuldenkrise anschaulich dargestellt. Christian Beck erklärte den Schülern der JBSG, wie Firmenkunden zu beraten seien.

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Anhand eines Fallbeispiels hat Herr Christian Beck erklärt, wie ein Unternehmen zu beraten sei, und wie man an der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung erkenne, was das Beste für das Unternehmen ist. Zuerst hat Herr Beck mit uns die Grundlagen des Rechnungswesens, welches wir bereits bei Frau Nickola bearbeitet haben, wiederholt. Wir haben die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung für das fiktive Unternehmen „Bäckerei Knack und Back GmbH“ analysiert.

Danach wurde uns der Begriff Kapitaldienstfähigkeit erklärt und wir haben den Cashflow der GmbH untersucht. Die kennzahlenbasierte Jahresabschlussanalyse war der Hauptpunkt der Beschäftigung mit der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung. Dabei wurden uns viele verschiedene Kennzahlen erklärt und weiterhin nahegelegt, dass diese nur im Zusammenspiel und im Vergleich mit den branchenüblichen Kennzahlen zu einer aussagekräftigen Beurteilung führen können.

Somit waren wir damit beauftragt, die Kennzahlen der Bäckerei auszurechnen und den Branchenbericht durchzulesen, um der „Bäckerei Knack und Back GmbH“ eine Empfehlung geben zu können. Herr Beck erklärte uns anhand dieses Beispieles einfach und lebendig, wie Firmenkunden anhand ihrer Bilanz und ihrer Gewinn- und Verlustrechnung zu beraten sind. Herr Stefan Eich, Vorstand der Sparkasse, vertiefte diese Kenntnisse, indem er in der JBSG den Prozess der Kreditvergabe erläuterte. Wann und warum vergibt die Sparkasse Goch Kredite? Unter dieser Leitfrage stand der erste Teil des Vortrags. Warum die Sparkasse Kredite vergibt, ist einfach zu
beantworten, weil ein Finanzierungsbedarf bei den Unternehmen bestehe. Dies geschehe durch Internehmensgründung und Unternehmenserweiterung, allerdings auch durch Rationalisierung, Sanierung und Kapitalblösung bzw. –umschichtung.

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Somit würden die Kreditinstitute Geld gegen einen Preis, d.h. Zins, zur Vorfinanzierung des betrieblichen Umsatzprozesses oder sonstigen betriebsbedingten Investitionen zur Verfügung stellen, damit müssten sie allerdings auch darauf achten, das Eigenkapital zu erhalten, um zu überleben. Es müsse somit bei der Kreditvergabe hauptsächlich auf das Risiko, das das Geld nicht zurückgezahlt wird, geachtet werden, welches auch den Zins bestimmt. Um dieses Risiko einzuschätzen, gebe es verschiedene aufeinanderfolgende Schritte. Zuerst wird im zufinanzierenden Unternehmen ein Gespräch mit dem Unternehmern geführt, bei dem es darum geht ein „Gefühl für die Unternehmen zu kriegen“. Es wird eine Bonitätsprüfung durchgeführt und eine Bilanzanalyse, die uns schon Herr Beck nahegebracht hatte. Danach werden das Risiko und die Zukunftschancen geschätzt, und die Verhandlungen um Zins und Sicherheit beginnen.

Im zweiten Teil des Vortrags erklärte uns Herr Eich das weltwirtschaftliche Umfeld unter dem Motto „Ich bin zur dritten Krise hier.“ Herr Eich zeigte die großen Schuldenlasten auf, die auf Ländern wie den GIIPS-Staaten (Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien), den USA, Deutschland und Frankreich lasten. Zunächst stand Griechenland im Mittelpunkt des Vortrags, da es sich um den ersten Euro-Staat handelt, dessen Anleihen einem „freiwilligen“ Schuldenschnitt unterzogen werden. Die Maßnahmen gegen zukünftige Verschuldungsszenarien sind Schuldenobergrenzen in den Verfassungen der europäischen Mitgliedsstaaten, automatische Sanktionen, der permanente Rettungsfonds (ESM) sowie, dass Notenbanken dem IWF 200 Milliarden € zur Unterstützung der Euroländer zur Verfügung stellen. Zudem unterstützt die EZB Staaten mit Liquidität.

Herr Eich zeigte uns daraufhin auf, dass wir international denken müssten, weil „dieser Kontinent nicht Schritt halten wird“, da das größte Wachstum in China, Asien und Brasilien stattfinde. Das Ende dieses sehr informativen, kurzweiligen Vortrages von Herrn Eich war ein Bekenntnis zur Marktwirtschaft, die aufgrund der Eigenverantwortung des Menschen, des Unternehmertums, der Produktivität und dem Willen zum Geldverdienen funktioniere, wobei Herr Beck die Politik trotzdem dazu aufrief, Märkte zu regulieren. Beiden sei an dieser Stelle ausdrücklich für ihr Engagement an der JBSG gedankt.

31. März 2012 - Peter Bouss